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Internationale Untersuchung nimmt Curaçaos Online-Glücksspielbranche und Treuhandbüros ins Visier

Curaçaos internationale Online-Glücksspielbranche gerät erneut verstärkt unter Beobachtung. Untersuchungen von Play the Game und Josimar werfen Fragen zur weltweiten Reichweite von in Curaçao lizenzierten Anbietern, zur Rolle lokaler Treuhandbüros sowie zur Wirksamkeit der erst kürzlich reformierten Glücksspielregulierung der Insel auf.

Die Untersuchungen sind Teil einer gemeinsamen internationalen Serie mit dem Titel „Curaçao: Der EU-Außenposten, der den globalen Offshore-Wettmarkt antreibt“, an der auch die niederländische Zeitung Trouw beteiligt ist. CasinoNieuws berichtete am Freitag über die Ergebnisse.

Die Untersuchung erfolgt weniger als zwei Jahre nach der Einführung der Landsverordening op de Kansspelen (LOK) im Dezember 2024. Das Gesetz ersetzte das frühere Offshore-Lizenzsystem und übertrug der Curaçao Gaming Authority (CGA) eine zentrale Rolle bei der Vergabe von Lizenzen und der Aufsicht über die Branche. Die Reformen sollten unter anderem dazu beitragen, den Sektor sicherer und transparenter zu machen.

Trotz des neuen Systems berichtet Play the Game, dass Glücksspielunternehmen weiterhin in großem Umfang Treuhandbüros auf Curaçao als lokale Vertreter nutzen. Bei Besuchen an Adressen, unter denen Glücksspielunternehmen registriert waren, sollen Journalisten auf leere oder offenbar verlassene Büros gestoßen sein. In einem aufgegebenen Wohnhaus fanden sie Berichten zufolge Korrespondenz aus Deutschland und Österreich, in der sich Spieler über nicht ausgezahlte Gewinne beschwerten.

Die Untersuchung richtet ihren Fokus zudem auf in Curaçao lizenzierte Unternehmen, die international tätig sind. Play the Game behauptet, dass einige Anbieter Sportwetten in Ländern anbieten, in denen sie über keine lokale Lizenz verfügen. Als Beispiel wird LineBet genannt, das laut der Publikation unter anderem Märkte im Iran, in Somalia und in Marokko anspricht.

Nach Angaben von Play the Game sind inzwischen mehr als 10.000 Internetdomains mit Glücksspiel-Lizenzen aus Curaçao verknüpft. Die Organisation äußert außerdem Bedenken hinsichtlich der Integrität des Sports. Dem Bericht zufolge sind Lizenznehmer nicht verpflichtet, verdächtige Wettaktivitäten zu melden – ein Umstand, den Play the Game insbesondere bei der Aufdeckung möglicher Spielmanipulationen für relevant hält.

Josimar untersuchte separat die Beziehungen zwischen internationalen Buchmachern und Treuhandgesellschaften auf Curaçao. Unter Verwendung von Informationen der CGA und des Handelsregisters von Curaçao brachte die Publikation mindestens sechs Buchmacher mit Unternehmen in Verbindung, bei denen Odin Trust B.V. als satzungsmäßiger Geschäftsführer eingetragen ist. Vier weitere Glücksspielunternehmen sollen die Adresse von Odin Trust nutzen.

Josimar nennt Christie Geisler Hansen als Geschäftsführer von Odin Trust und weist darauf hin, dass er seit 2007 zugleich als Honorarkonsul Dänemarks auf Curaçao tätig ist. Die Publikation erklärte, sie habe Hansen um eine Stellungnahme gebeten, jedoch keine Antwort erhalten.

Die Forscher argumentieren, dass der Einsatz von Treuhandgesellschaften es erschweren kann festzustellen, wer Glücksspielunternehmen letztlich kontrolliert und wohin die von diesen Unternehmen erwirtschafteten Gelder fließen. Play the Game zitierte in diesem Zusammenhang Peter Comello, einen ehemaligen stellvertretenden Staatsanwalt und früheren Mitarbeiter der Finanzaufklärung, der auf die Schwierigkeiten hinwies, die Unternehmens- und Treuhandstrukturen bei der Nachverfolgung von Eigentumsverhältnissen und Finanzströmen verursachen können.

Auch das Ausmaß des neuen Lizenzsystems auf Curaçao wird hervorgehoben. Informationen, die Play the Game von Random Consulting erhalten hat, zufolge waren bis Ende Juli 2026 insgesamt 617 Lizenzen nach dem LOK vergeben worden. Diese Lizenzen sollen Schätzungen zufolge jährlich rund 34 Millionen US-Dollar an Lizenzgebühren einbringen, zusätzlich zu etwa 3,5 Millionen US-Dollar an Antragsgebühren. Josimar berichtete unter Berufung auf Daten der CGA, dass im August mehr als 600 Lizenzen aktiv, in Bearbeitung oder zurückgezogen waren.

Die CGA antwortete den Ermittlern schriftlich. Laut Josimar erklärte die Regulierungsbehörde, dass von Lizenzinhabern erwartet werde, verantwortungsvoll zu handeln und sowohl die geltenden Gesetze auf Curaçao als auch die Vorschriften in den Ländern einzuhalten, in denen sie geschäftlich tätig sind. Die CGA erklärte außerdem, dass sie die Unternehmensstrukturen der Antragsteller, deren wirtschaftlich Berechtigte sowie die jeweiligen Governance-Strukturen prüfe.

Die Regulierungsbehörde selbst hat öffentlich betont, dass die Glücksspielbranche auf Curaçao die Anforderungen zur Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung sowie internationale Sanktionsvorschriften einhalten muss. Dazu gehört auch die Einführung geeigneter Maßnahmen zur Kundenprüfung und Sorgfaltspflicht.

Die neue Untersuchung ist für Curaçao besonders bedeutsam, weil sie den Fokus weg von der bloßen Anzahl der Lizenzen oder der Untersuchung einzelner Glücksspiel-Websites hin zu den Strukturen verlagert, auf denen die Branche basiert: Treuhandbüros, lokale Vertreter, Unternehmensdirektoren, wirtschaftlich Berechtigte sowie die internationalen Märkte, in denen in Curaçao lizenzierte Anbieter tätig sind.

Die Ergebnisse stellen für sich genommen kein Fehlverhalten sämtlicher genannten Unternehmen oder Treuhandbüros fest. Sie verstärken jedoch die zunehmend intensive Debatte darüber, ob das LOK und die erweiterten Befugnisse der CGA tatsächlich zu jener höheren Transparenz und Rechenschaftspflicht führen, die bei der Reform des Glücksspielsystems auf Curaçao angekündigt worden waren.

Die internationale Untersuchung wird fortgesetzt. Trouw wird voraussichtlich einen eigenen Beitrag zu der gemeinsamen Recherche-Serie veröffentlichen.

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